Nach neuesten Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) haben Europas Banken im letzten Quartal ihre Kreditvergabe weiter stark verringert und gefährden nach Expertenmeinung damit die Konjunktur weiter.

Das Kreditvolumen an den privaten Sektor (Verbraucher und Unternehmen) sank laut Mitteilung der EZB mit der Rekordrate von 2,2% im Oktober, 2,3% in November und 2,5% im Dezember. Das bedeutet, dass die Unternehmen und privaten Haushalte mehr Kredite zurück zahlten als neue von ihnen aufgenommen wurden.

Die Nettosumme der Unternehmenskredite sank im letzten Quartal um knapp 50 Mrd. €. „Das ist ein massives Deleveraging“ (Schuldenabbau), so ein Finanzmarkt-Experte.

Gleichzeitig wuchs die Geldmenge M3 im letzten Quartal nur sehr gering um 1,5% zum Vorjahr. Diese aktuellen Zahlen werfen zwei elementare Fragen auf: a) Wie entwickelt sich die Inflationsrate/Deflationsrate B) Was bedeutet die Kreditschrumpfung für die Konjunktur?

Die schwache bzw. rückläufige Kreditvergabe wirft Zweifel am erhofften und auch so unter anderem von der EZB und der Weltbank prognostizierten Konjunkturaufschwung in Europa auf, weil die Unternehmen eher sparen als investieren. Dies könnte die Prognose vom wieder deutlichen Wachstum im Euroraum gefährden.

Außerdem hat sich der Rückgang der Bankkredite in den letzten Monaten beschleunigt. Das bedeutet, dass der „Bankensektor in Europa ein erheblicher Klotz am Bein für die wirtschaftliche Erholung im Euroraum bleiben wird“, so ein Kapitalmarktexperte in London.

Die sehr schwachen Kreditdaten könnten ein Hinweis auf eine Kreditklemme sein. Dies wird einerseits immer wieder befürchtet. Andererseits wird darauf verwiesen, dass die meisten Unternehmen genügend Geld zur Verfügung hätten, um kräftig zu investieren. „Die Frage ist nur, ob sie es tun werden,“ so Holger Schmieding von der Berenberg Bank.

Die schwache Kreditvergabe der Banken und die niedrige Inflationsrate im Euroraum ist eine deutliche Herausforderung für die Europäische Zentralbank an ihre geldmarkpolitische Steuerung. Die nächsten Ratssitzungen der EZB werden in dieser Hinsicht genügend Diskussionsstoff haben. Außerdem wird es nicht an Ratschlägen fehlen, die geldmarktpolitischen Lockerungsübungen der letzten Zeit weiter fortzusetzen. Der italienischen Zentralbank-Chef Draghi wird dabei besonders die Interessen der immer noch schwächelnden südeuropäischen Mitgliedstaaten der Euro-Zone berücksichtigen.

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